Studienabbrecher: Die 5 Typen, für die es gefährlich werden könnte

Nie war die Zahl derer, die das Abitur schaffen, größer als heute, und entsprechend viele junge Leute zieht es an die Hochschulen. Die Statistik sagt aber, dass rund ein Drittel aller Studienanfänger das Studium nicht abschließt. Sind das nun alles Versager? Viele fühlen sich wohl so, denn der Studienabbruch ist immer noch ein Tabu und Horror aller Eltern. Bloß nicht abbrechen, egal wie schrecklich die Situation an der Uni empfunden wird, ist die Devise. Schlau ist das nicht. Durch reines Aussitzen ist noch kein Studienfach interessanter geworden. Ein Abbruch ist halb so schlimm, wenn man rechtzeitig, d.h. spätestens im vierten Semester, eine Alternative entwickelt.

Nicht alle Studienabbrecher sind gleich, doch im Grunde gibt es fünf Typen:

Die Party-Macher. Die zu Beginn eines Studiums neugewonnene Freiheit verleitet sehr zum Party machen. Viele Abbrüche müssten nicht sein, wenn die Erstsemester ihr Studium von Anfang an ernst nehmen würden. Klausuren lassen sich von einem Semester auf das nächste verschieben, Fristen zur Abgabe von Hausarbeiten wandern in immer weitere Ferne und irgendwann hat sich so viel angesammelt, dass es nicht mehr zu bewältigen scheint. Hier hilft nur eine ehrliche Bestandsaufnahme: Schaffe ich die Prüfungen in absehbarer Zeit oder ziehe ich einen Schlussstrich und entwickle Plan B? Der kann ein neues Studium sein oder eine Ausbildung, mit der man schließlich erfolgreich ins Berufsleben startet. Ausbildungen beginnen immer im Herbst; die Entscheidung dafür sollte deshalb spätestens am Ende des Sommersemesters gefällt sein, damit die guten Stellen nicht schon vergeben sind. Mitte Juli ist auch der Bewerbungsschluss für ein neues Studium.

Die Vielseitigen. Häufiger, als man denkt, treffen die sehr guten Abiturienten eine falsche Wahl. Sie entscheiden nach dem Numerus Clausus statt nach ihren Neigungen und studieren, weil sie so ein gutes Abi haben, zum Beispiel Medizin statt Physik. Manche schaffen sogar alle Prüfungen, es ist ihnen nur jegliche Freude an der Sache verloren gegangen. Jetzt heißt es: Bloß nicht durchhalten. Dann steht man mit einem Studienabschluss da für einen Beruf, den man gar nicht ausüben will. Hier helfen nur eine Neuorientierung und der mutige Sprung in ein anderes Fach. Kein Problem, denn von der Begabung her können sie fast alles. Arbeitgeber sehen das übrigens gar nicht kritisch. Im Gegenteil, es gilt als Erweiterung des Horizonts, wenn ein Bewerber auch Kenntnisse aus anderen Bereichen mitbringt.

Die Jobber. Ein Teil der Statistik der Studienabbrecher wird von den „erfolgreichen Jobbern“ gefüllt. Sie schaffen es durch Praktika oder Nebenjobs in eine Berufstätigkeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt verdienen und die ihnen meist auch Spaß macht. Eine Weile glauben sie selbst noch daran, ein Examen abzulegen. Das wird immer wieder hinausgeschoben. Irgendwann verlieren die erfolgreichen Jobber den Anschluss und melden sich nicht mehr für das nächste Semester zurück. Auch hier hilft nur ein Kassensturz: Wie wahrscheinlich ist es, den Abschluss zu schaffen und welche Vorteile bringt er? Wie lässt sich eine berufliche Karriere auf den bisherigen Erfahrungen gründen? Entscheiden und mit vollem Elan umsetzen.

Die Praktiker. Diese Gruppe ist nicht im falschen Fach. Sie ist falsch im Studium. Es gibt Abiturienten, die mit allergrößter Mühe gerade so das Abitur schaffen. Für sie soll sich diese Plackerei unbedingt lohnen. Eine Ausbildung hätten sie schließlich schon mit der Mittleren Reife machen können, ist ihr Argument. Das stimmt für viele Berufe gar nicht und sollte auch nicht die Entscheidung beeinflussen. Manchmal sind die akademisch gebildeten Eltern auch so auf ein Studium fixiert, dass Sohn oder Tochter gar keine andere Möglichkeit für sich sehen. Hier wird der Studienplatz genommen, der mit der Abinote möglich ist, quasi als geringstes Übel. Ihr praktisches Talent stecken sie derweil in ein Hobby oder einen Nebenjob. Und das ist meist der Rettungsanker, wenn das Studium über weite Strecken keinen Spaß macht und keinen Erfolg bringt; der kommt dann mit einer praktischen Berufsausbildung weiter.

Die Schulzeitverlängerer. Neuerdings gibt es dank G8 Abiturienten, die noch so jung sind, dass sie unbedingt ihre Schulzeit durch ein Studium verlängern wollen; „bloß nicht arbeiten“ ist ihre Devise, die eine Berufsausbildung kategorisch ausschließt. Sie wird mit langweiliger Arbeit und frühem Aufstehen assoziiert. Das Studium steht eher für Abwechslung und unendliche Semesterferien. Dabei wäre gerade eine Berufsausbildung mit ihren klaren Strukturen für diese Gruppe die bessere Alternative. Manchmal macht die Erfahrung an der Uni nachträglich die Ausbildung attraktiver. Und bei manchen springt im Studium doch noch der Funke über und aus der Notlösung wird ein Beruf.

Die Statistik sagt zwar, dass ein Drittel aller Studenten keinen Abschluss erreicht, doch wenn man genau hinsieht, stellt man fest: Beruflich erfolgreich wird dieses Drittel trotzdem.

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