Was ist eigentlich ein guter Beruf?

Ich sitze mit einer Freundin von der Studienberatung in der Mensa und wir sprechen darüber, dass wir immer nach einem „guten Beruf“ gefragt werden, als könne man Berufe ganz einfach in gut und schlecht einteilen, wobei die guten Berufe meist mit einem Studium assoziiert werden. Also Lehrer gut, Bürokaufmann schlecht? Gestresste Lehrer und glückliche Bürokaufleute sehen das sicher anders.

Wenn ich nachfrage, was denn mit einem guten Beruf gemeint ist, kommen ganz unterschiedliche Antworten: gesellschaftliches Ansehen, hohes Einkommen, aber auch die Möglichkeit, kreativ zu sein, zu helfen, ins Ausland zu gehen oder gar berühmt zu werden. Und Spaß soll er machen, der Beruf, das ist ganz wichtig.

Der gute Beruf ist für jeden etwas anderes, aber all das, was er sein soll, soll der Beruf von sich aus mitbringen. Tut er aber nicht. Denn sonst gäbe es nicht sowohl glückliche wie auch unglückliche Ärzte, Lehrer und Bürokaufleute. Man muss natürlich für einen Beruf geeignet sein, also gern mit Menschen oder Zahlen umgehen. Aber man muss auch selbst etwas dafür tun, sich seinen Beruf schön zu machen.

Und hier fällt mir Frau Schmitz ein. Sie ist die netteste Fleischereifachverkäuferin, die ich kenne. Sie ist schon längst im Rentenalter, steht aber immer noch mit Begeisterung hinter der Theke, hackt Koteletts und gibt Tipps zur Zubereitung von Gulasch und Braten.

Ob sie sich den Beruf vor vielen Jahren ausgesucht hat, weiß ich nicht, schon gar nicht, ob es ihr Traumberuf war. Aber sie hat ihn dazu gemacht, denn selbst wenn ich kurz vor Ladenschluss, wenn die Auslage schon leergeräumt ist, noch angehetzt komme, geht sie selbstverständlich fröhlich zwinkernd schnell noch mal ins Kühlhaus. Und weil Sie so nett ist, sind auch alle Kunden nett zu ihr.

Ob ich das wohl rüberbringe, wenn mich das nächste Mal in der Beratung jemand fragt nach einem guten Beruf, der auch Spaß macht?

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