Welche Information gehört in die Bewerbung – und welche nicht?

Mit meiner Bewerbung schildere ich meinem möglichen neuen Arbeitgeber mein Wissen, mein Können und auch etwas über mich als Person. Zur Abrundung des Eindrucks, den ich hinterlasse, schreibe ich etwas zu meinen Interessen oder einem Hobby, dem ich nachgehe. Dabei schießen einige Bewerber allerdings übers Ziel hinaus. Ein halbes Dutzend Sportarten oder eine Vielzahl von Interessen unterschiedlichster Art lassen eher den Eindruck aufkommen, dass man sprunghaft ist und sich nicht entscheiden kann.

Was gehört also in eine Bewerbung, und was nicht?

In der Bewerbung, und zwar im Anschreiben und auch im Lebenslauf sollten alle meine Qualifikationen genannt werden, die direkt mit der Stelle, um die ich mich bewerbe, zusammenhängen. Wenn ich darüber hinaus Kenntnisse habe, die im Stellenprofil gar nicht gefragt sind, muss ich genau abwägen, ob ich sie auch nennen will, oder ob sie den Arbeitgeber eher auf eine falsche Fährte führen.

Ein Beispiel: Eine Sprachwissenschaftlerin, die in der Uni Erstsemester und Tutorien betreut hat, ist über diese Tätigkeiten auf das Berufsfeld Studienberatung gestoßen und schreibt entsprechende Bewerbungen. Nun ist sie gerade mit ihrer Dissertation fertig und hat auch schon ein paar kleinere Aufsätze geschrieben, worauf sie sehr stolz ist. Wenn sie nun ihrer Bewerbung eine Liste all ihrer wissenschaftlichen Arbeiten hinzufügt, wird sie kein Arbeitgeber einstellen, weil sie allen das Gefühl vermittelt, eigentlich eine Forscherin zu sein und die Stelle, um die es geht, nur als Notlösung zu wollen. Also: die Liste lieber weglassen.

Ähnliche Fehler begehen auch Studierende aus Fächern, in denen der Arbeitsmarkt sehr klein ist, und die sich deswegen umorientieren: Eine Musikstudentin mit dem Hauptfach Gesang, die sich sehr gut vorstellen könnte, im Bereich Social Media zu arbeiten, macht ihre Aussichten auf ein Bewerbungsgespräch zunichte, wenn sie im Lebenslauf ausführlich von ihrer Bühnenerfahrung berichtet. Hier müssen die Kenntnisse im angestrebten Bereich im Vordergrund stehen, auch wenn sie nicht im Studium oder Praktikum sondern im privaten Umgang mit Facebook, Twitter und Co. erworben wurden. Die Liebe zur Musik darf hier nur als Hobby vorkommen.

Vielen Bewerbungen ist anzusehen, dass die Bewerber und Bewerberinnen sich nicht wirklich mit der Stellenanzeige und der angestrebten Tätigkeit beschäftigt haben. Das ist schade, den so kommen gute Bewerber und Arbeitgeber nicht zusammen.

In die Falle, zu viel in die Bewerbung zu schreiben, tappen nicht nur Geisteswissenschaftler und Künstler. Eine junge Betriebswirtin, die sich erfolglos im Mode-Management beworben hat, schrieb in ihre Bewerbung, dass ihr Interesse für Mode so weit gehe, dass sie schon selbst Kleidungsstücke entworfen hätte. Was soll man da denken? Dass sie eigentlich lieber Modedesignerin wäre? Das wollte sie nicht. Als sie den Satz wegließ, wurde sie eingestellt.

Und wenn wir schon beim Thema Weglassen sind: Überprüfen sie auch mal die Sprachkenntnisse, die sie angeben. Hier gehören nur Sprachen hin, an denen sie auch aktuell Interesse haben, und für die sie einen Auffrischungskurs besuchen würden. Das nach der Mittelstufe erleichtert abgewählte Französisch oder der ungeliebte Spanischkurs dürfen auch im Lebenslauf fehlen.

Weniger ist eben manchmal mehr, und eine kurze, knappe Bewerbung, die auf den Punkt kommt, ist im Zweifel die überzeugende.

Comments are closed.